Ralf rief und 9 Biker kamen.
Karfreitagstour von Osnabrück nach Minden auf dem Wittekindsweg: 105km, 1400hm bei bestem Wetter. Das war super anstrengend aber hat viel Spaß gemacht.
Ostern ist schon traditionell der Termin für eine erste längere Ausfahrt im Jahr mit dem Mountainbike. Waren es früher eher Fahrten zum Wilseder Berg, hatten wir uns diesmal etwas besonderes vorgenomen: den Wittekindsweg von Osnabrück nach Minden durch Ralfs ostwestfälische Heimat. Ralf musste auch nicht lange bitten. Die üblichen Verdächtigen waren spontan dabei, verstärkt von zwei Radlern der Harburger Radsportgemeinschaft. Mit unserem hoch geschätzten "Schrauber" Jörg wollten wir ja schon immer mal auf Tour gehen. Prima das das diesmal geklappt hat und ich weiss ja nicht, Zufall oder glückliche Fügung: Gleich 2 Pannen haben uns ereilt, und dreimal dürft Ihr raten, wer maßgeblich Hand angelegt hat, wobei er bei einem Schlauchplatzer selbst Betroffener war.
Aber der Reihe nach: Gestartet sind wir um 6.00 mit einer Anfahrt zum Buchholzer Bahnhof. Da war es doch noch ganz schön frisch, und ja ich muss zugeben, Beinlinge wären ganz angenehm gewesen. Dem Feiertag sei dank, konnten wir mit dem Niedersachsenticket schon vor 9.00 Uhr starten. So sind wir mit dem Metronom bzw. DB super günstig für 10€ / Person nach Osnabrück und von Minden auch wieder zurück gekommen.
In Osnabrück ging es dann um 9.30 Uhr los. Insgesamt hatten wir knapp 10 Stunden Zeit eingeplant, dass sollte langen, dachten wir. Ralf hatte zaghaftes Aufbegehren, vielleicht eine Station vorher in Böhmte auszusteigen und so die Tour auf gut 70km zu verkürzen, im Keim erstickt: Schließlich galt es den Wittekindsweg, der auf 5 Wanderetappen ausgelegt ist, vollständig an einem Tag mit dem MTB zu fahren, ein zu ambitioniertes Vorhaben, wie sich später herausstellen sollte.
Gemächlich ging es los, aus Osnabrück raus, Richtung Norden dem Verlauf der Nette folgend und nach ca. 20 km auf dem Höhenkamm des hier noch flachen (Kleckenhöhenniveau) Wiehengebirges nach Osten schwenkend und von hier dann stetig bergauf und bergab dem Kammweg folgend. Zwischendurch, wie könnte es anders sein, die obligatorische längere Schiebe- und Tragepassage (ich glaube wir wollten da was abkürzen). Die Zeit verging wie im Flug, die km wurden nicht weniger, der Atem hingegen kürzer und die Beine schwerer. Von den versprochenen zahlreichen Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke habe ich im übrigen wenig gesehen, und so ereilte mich nach km 65 der erste Krampf. Klarer Fall: Zu wenig getrunken, und meine Flaschen waren leer. In dem Zustand noch den, von Ralf gepriesenen "Wilden Schmied" erreichen zu wollen war illusorisch. Von da an hieß unser einziges Ziel nur noch, so schnell wie möglich das nächst beste Lokal anzusteuern. Es hätte ja nicht unbedingt ein Grieche sein müssen. Jedenfalls haben wir uns in der Mehrzahl dazu hinreißen lassen nicht nur das eine oder andere alkoholfreie Weizen zu trinken sondern auch die typischen fettigen (sonst gerne genommenen) Fleischspeisen zu verputzen. Das Resultat war absehbar. Es ging irgendwie nicht mehr viel. Die Zeit war mittlerweile auf 16.00 Uhr vorgerückt und uns war klar, dass schaffen wir nicht mehr, zumal der schwierigste Teil der Strecke eigentlich jetzt erst vor uns lag. So haben wir uns zunächst einmal eine längere Straßenpassage zur zeitlichen Verkürzung der Strecke gegönnt und als das Straßenschild "Minden 20km" auftauchte, waren wir nicht mehr zu halten. Alle Überredungskünste von Ralf, zumindest noch den Kaiser-Wilhelm mitzunehmen, verhallten ungehört. Wir waren einfach platt und wollten nur noch so schnell wie möglich nach Minden.
In Minden sind wir dann doch eine Stunde vor geplanter Abfahrt angekommen, und sofort ohne zu zögern in den Zug gesprungen. Was folgte war eine abenteuerliche 4-stündige Kreuz- und Querfahrt, mit Umsteigen in Hannover und Bremen zurück nach Klecken, wo ich dann mit Stefan um 22.00 Uhr unsere Tour mit einem Bier auf meiner Terasse beendet habe.
Das Fazit fiel trotz unseres Quasi-Abbruchs positiv aus: Wir haben als Gruppe menschlich und leistungsmäßig gut harmoniert. Es ist keiner - auch ich nicht - groß abgefallen. Das Wetter war super. Wir hatten einen zu höchst anstrengenden aber auch befriedigenden Karfreitag. Mal wieder stand die Erkenntnis das 70km im Gelände einfach ´ne Menge Holz sind und nicht zu vergleichen mit Straßenfahren und auf jeden Fall haben wir trotz aller Warnungen von Ralf das Wiehengebirge unterschätzt. Ganz klar. Und was heißt das: Na klar wir müssen nochmal los, um die Tour zu vollenden.
Schöne Ostern wünscht Euch allen
Euer Wolfgang
Bilder von unserer Tour findet ihr hier.
Den gefahrenen Track könnt Ihr hier nachvollziehen. Und ich frage mich: Wo kommt die Diskrepanz zwischen der hier berechneten 100km und lediglich 1060hm her im Vergleich zu den auf meinem garmin gemessenen 1400hm und 105km.

